Verruchte Abenteuer in der Welt der Oper
Katharina Herb zu Gast im "fifty fifty"
Erlanger Nachrichten von Lisa Koch vom 25.10.2005

Opern-Kabarett ist ein ganz und gar unerforschtes Comedy-Genre mit ungeahnten und sehr erfrischenden Möglichkeiten, das Katharina Herb nun aus der Wiege geholt hat und ihm erste, vielversprechende Form verleiht. Die Zuschauerressonanz im "fifty-fifty" beweist, dass sie einen bestimmten Nerv getroffen haben muss. Die Wahlmünchnerin ist professionelle Opernsängerin, doch sie zeigt den Damen in Roben und Herren in Fräcken die kalte Schulter. Vielmehr stürzt sie sich seit ein paar Jahren in zwielichte und verruchte Abenteuer, geht auf Tuchfühlung mit verschiedensten Arien, aus bespielsweise der Oper "Carmen" oder Mozarts "Don Giovanni", die der herbschen Interpretation nach alle etwas gemeinsam haben. Versteckte Orgien, die transzendent in die Opernhandlung eingeflochten wurden und nur darauf gewartet haben, von einer selbstbewussten Sangeskünstlerin auf frivole Art ans Tageslicht geholt und lustvoll inszeniert zu werden.

Carmen als Mutter allen Sex'? Diese und andere Thesen werden eindrücklich untermauert: Durch die in jeder Beziehung minimalistische Garderobe der Sängerin (bordeauxrote Corsage kunstvoll drappiert mit roten Müllsäcken), die sich zum Ende hin immer weiter verflüchtigt, ihre Schauspielkunst und natürlich durch ihre ungewöhnliche Stimme. So ist sie, respektlos und voller Erfurcht zugleich. Katharina Herb entwirft einerseits ein liederliches und anzügliches Opern-Panorama, das mit Sicherheit auch für den passioniertesten Operngänger noch Überraschungen bereit hält, doch veredelt sich gleichzeitig jede ihrer kulturellen Dreistigkeiten durch ihr sängerisches Können.