HAMBURGER ABENDBLATT

Schmidt
Die Schlampe an der Rampe

HAMBURG -

Mal ganz ehrlich, wer weiß denn heute noch, dass es einmal einen gefeierten Opern-Star namens Ernestine Schumann-Heink gab? Eben. Und wer würde im Tivoli an der Reeperbahn eine Opernkabarettistin vermuten, die es schafft, nicht nur sich selbst in eine knallrote Korsage, sondern auch viele Arien-Klassiker in ihr Solo-Programm "Orgien in Arien" zu zwängen, das amüsant war, leicht anrüchig und dennoch zumindest halbwegs stubenrein? Wohl auch niemand.

Außer natürlich jenem grauhaarigen Klaus in einer der vordersten Reihen, der als Spontangast auf der Bühne so großartig mitspielte, dass man glauben konnte, er stünde auf der Gehaltsliste des Hauses. Die SM-Nummer, sehr frei aus Mozarts "Figaro" entnommen, sollte er sich jedenfalls patentieren lassen.

Katharina Herb gab bei ihrem Hamburg-Debüt die "Rampenschlampe", sang sich durch alle für sie möglichen und auch einige unmögliche Stimmfächer und Partien, von "Casta Diva" über "Nessun Dorma" bis zu Chopins Minutenwalzer als Zungenbrecher. Am Ende tobte das Publikum, und Herb brachte die berühmte Arie aus "La Wally". Ganz ernst, ganz ohne Sperenzchen, so gut es noch ging. Und verdrückte vor lauter Rührung selbst ein Tränchen. Für große Oper ist eben auch in der Kleinkunst Platz.

Nächster Termin: 27. August, Tivoli. Kartentel.: 31 77 88 99.

jomi

erschienen am 24. Januar 2007