HAMBURGER MORGENPOST

Mittwoch, 24.01.2007

Köstlich
 
Fast wie in der Scala!
Katharina Herb feierte »Orgien in Arien«

HEIKO KAMMERHOFF

Egal, wie berühmt die Sängerin auch sein mag: Rampenschlampen sind wir alle!", ruft Katharina Herb. Eine Diva steht immer im Mittelpunkt, ob nun in einem der großen Opernhäuser der Welt oder im Schmidt Theater, wo die Wahlmünchnerin Herb die Hamburger Solopremiere ihres Programms "Orgien in Arien" feierte.

Oh ja: Sie war gekommen, ihrem Publikum eine Lektion zu erteilen. Im wörtlichen Sinne denen, die sich im Allgemeinen nicht wirklich über die Schwelle der Staatsoper wagen, um ihnen die Emotionalität und Schönheit des Genres zu zeigen. Im übertragenen Sinne den alten Hasen und Kennern: Seht nur alle her, so geht es auch!

Herb, in einer ausgefeilten Robe aus Plastiktüten, die sie der jeweiligen Arie auf verblüffende Weise anpassen konnte, nimmt die Oper zwar durchaus ernst, geht aber mit einer entwaffnenden Leichtigkeit an die manchmal doch reichlich sperrige Bühnenkunst heran. Wenn sie etwa kurz die Handlung von Puccinis "Turandot" nacherzählt, macht sie klar: Ein bisserl umständlich ist es schon manchmal, außerdem hat man sich für das langweiligste dreier möglicher Enden entschieden.

Auch scheute sich Herb nicht, ehrwürdigen Arien einen modernen und frechen Text aufzusetzen. Mozarts "Registerarie" aus dem "Don Giovanni" hats so bestimmt noch nirgendwo gegeben.

Und dennoch: Wenn die Sängerin eine Arie einfach mal so darbietet, wie es vielleicht vom Komponisten gedacht war, kommt im Schmidt Theater an der Reeperbahn ganz schnell eine Stimmung auf, als wäre man in der Mailänder Scala.

Info:
Zusatztermin Weils so schön war, kommt Katharina Herb sogar noch ein zweites Mal in Hamburg auf die Bühne Schmidt Theater, Montag, 27. August, 20 Uhr, Karten unter Tel. 31 77 88 99

(MOPO vom 24.01.2007 / SEITE 29)