O sole mio
Katharina Herb im Aschaffenburger Hofgarten
kulturseite des Main-Echo von Anneliese Euler vom 28.11.05

"O sole mio": Die Zugabe war der Knüller des Abends. Und Wolfgang natürlich. Wolfgang, den sich Katharina Herb aus dem Publikum auf die Bühne des Aschaffenburger Hofgarten-Kabaretts holte. Beim Jodeldreher lupfte er ihren Rock, was "Kittelschlagen" heisst, und bei der Sado-Maso-Arie der Zerlina aus dem "Don Giovanni" ("Schlag doch, schlag doch") betätigte er den hübschen schwarzen Peitschenwedel wie ein zärtliches erotisches Gerät zum Abstauben der wohlgeformten Sängerin.

Diese hatt ein originelles Programm zusammen gestellt, redet frei von der Leber weg und entfaltet eine gewaltige Stimme zum Halbplayback. Sie könne auch ohne Mikro, sagt die ausgebildete Opernsängerin mit dem rassigen Garconneschnitt und lässt einen markerschütternden Schrei los. Ihren Stimmbändern, die technisch "Stimmlappen" heissen, wie sie uns aufklärt, konnte das nichts anhaben. Das bewiesen ihre gekonnten Gesangseinlagen, die sie auf ihre erotischen Bedürfnisse umgetextet hat. Schliesslich heisst ihr Programm "Orgien in Arien". Denn die Oper, ist "herrlich", ist "sinnlich", was sie in virtuoser Frivolität mit der "Barkarole", mit der "Registerarie", mit Carmen, Manon Lescaut und "Turandot" belegt. Zwischendurch wünscht sie sich einen Hermaphroditen zur Liebesnacht, verwandelt ihr rotschillerndes Plastikkleid von grosser Robe zum Jodlerdirndl, hört irren Blickes auf den Text, dreht triumphierend auf und schraubt ihre Stimme so gewaltig hoch, dass die Trommelfelle zittern. Aber: "Aschaffenburg, was ist los?" - "Aufmerksam? Gut, dann missverstehe ich die Stille!"

Sie hat es nicht missverstanden. Der Ansatz von Katharina Herb ist prächtig, die Ausführung professionell, doch der lebendige Funke, der wollte erst ganz zum Schluss bei "La Wally" und bei der Zugabe, bei "O sole mio" überspringen. Da hatte sie das Publikum im Sack. Aber da war Schluss.