Opernführer, einmal anders
Katharina Herb und ihre “Orgien in Arien”
Süddeutsche Zeitung vom 19.09.05

Vorsichtshalber hat die Künstlerin schon mal vorgewarnt: “Eingefleischte Wagnerianer - vor allem die - beschimpfen mich auf`s übelste”, sagt Katharina Herb, “andere verlassen das Theater höchst amüsiert.” Es mag aber noch zwei andere Kategorien geben: Wer sich noch nie oder nur mässig mit Oper beschäftigt hat, verlässt eine Aufführung in der Gewissheit, auf heitere Art etwas dazu gelernt zu haben. Wieder andere - aber das ist der geringste Teil der Zuschauer, gehen schon vorher: Sie haben auf ein St. Pauli-Stückchen gehofft, des Netzstrumpf-Plakates wegen, auf dem Katharina Herbs “Orien in Arien” angekündigt sind.

Katharina Herb ist ein ausgebildeter Mezzosopran, womit sich eine Bewertung ihrer stimmlichen Qualitäten schon erübrigt. Alleine steht sie für zwei Stunden auf der Bühne, lediglich assistiert von einem Bartischchen, entsprechendem Hocker und einem elektronischen Gerät, ihrem “Digital Pocket Orchestra”, und führt in die wundervolle Welt der Oper ein. Es ist ihr ein Anliegen, es dem Publikum durch ihren lockeren Vortrag zu erleichtern, in die Oper zu gehen, den Weg dorthin als schön zu empfinden.

Sex, nicht überstrapaziert, ist ein feiner, von ihr gewählter Weg, ihr Publikum in diese Welt hinein zu begleiten: Thema sind stets Beziehungskisten, meist nicht funktionierende. In ihren Texten (“In Gebrauchsdeutsch übersetzt”) gelingt es Katharina Herb, nachzuweisen, dass sich Mozart bei seinem “Don Giovanni” wohl von Sado-Maso-Gedanken leiten liess, in ihrer Übersetzung heisst das dann “Schlag mich mit der Peitsche”, und auch einen Londoner Wäschekammernsex weiss sie mit der “Giudita”-Arie in Verbindung zu bringen. Selbst in “Carmen”, der “Königin aller Opern”, gibt es einiges hineinzulesen.

Das Publikum verliess das Stadttheater hochzufrieden und amüsiert. Wagnerianer waren keine darunter - und das langanhaltende Klatschen brachte schliesslich noch einen verlängerten Abend.